Freitag, 8. Juli 2016

Life lately

Die jüngste (und zweitjüngste, ahem) Generation Wild zeichnet sich nicht unbedingt durch Morgenmunterkeit aus. Wird abends jedes heimliche Rascheln einer Chipstüte oder zischende Öffnen einer Flasche vorne in der Küche mit einem "was isch das, Mami?!" aus dem Kinderzimmer konstatiert, könnte man morgens Salutschüsse neben dem Bett abfeuern, die Herren Hübsch und Zart zuckten mit keiner Wimper. 

Ich lass beim Duschen gerne die Badezimmer offen in der Hoffnung, die Buben tauchen mit den Hintergrundgeräuschen langsam an die Oberfläche. Nicht selten jedoch werden auch noch die Klospülung und das dampfende Bialettikännchen auf dem Herd ignoriert. Dann heisst es knallhart Vorhänge aufziehen, Store kippen und gut gelaunt einen guten Morgen wünschen! 

Mit etwas Glück bietet sich einem dann dieser Anblick:



Ein bisschen Chräbele hier, ein bisschen Bettdecke ziehen da und siehe da: Zwei kleine, müde Gestalten kommen zum Vorschein. Jetzt gilt es vorsichtig zu sein. Ein falsches Wort und der Vormittag ist im Eimer. Bevor ich Kinder hatte, wusste ich nicht, dass die Worte: "Es gibt Frühstück!" jemandem den Tag ruinieren können. 



Max und Cedi entfalten sich auf dem Sofa, während ich den Zmorgetisch decke. Den ganzen Zirkus mit Schnittchen streichen habe ich aufgegeben. Ebenso herausfinden zu wollen, wieviel Milch die beiden im Becher haben möchten. "Wieviel Kakaopulver darfs denn heute sein?" und "Ist das Muster auf dem Teller genehm?" haben wir hinter uns gelassen. Unter der Woche stellt Mama nur noch zwei Müeslisorten zur Wahl und Schüsselchen zur Milch auf den Tisch. En Guete!



Am Wochenende hingegen setzen wir uns ausgeschlafen und mit Genuss an einen reich gedeckten Tisch! Da darf Nutella genauso wenig fehlen wie der Bio-Honig oder das Löffel-Ei. Da geht allen das Herz auf!



Ein merkwürdiges Gefühl, nadisna machen wir alles zum letzten Mal

Der letzte Coiffeurbesuch bei Sarah, das letzte Abendessen bei Freunden, der letzte Ausflug auf den Gurten... Die lokale Badi ist mir nach wie vor ein Gräuel. Mit meinen beiden Buben setze ich mich viel lieber unten mit Picknickdecke ans Flüsschen und lasse die Seele baumeln. Auch das werden wir nicht mehr oft tun.








Tra-ri-raa, der Sommer, der ist da! Und heuer kommt er in Peach Daiquiri.
 

Max ist in der Schule und Cedi und ich nutzen die Zeit für eine Kuschelsequenz auf dem Sofa. Bitte recht freundlich!


Von Max' Montessori nahen Lehrerin kupfere ich diese Idee ab: In die mit Reis gefüllte Schüssel versenke ich Murmeln, Mandeln, Kichererbsen und einige Teigwäreli. Cedi liebt es, mit dem Löffel, die einzelnen Elemente wieder herauszufischen und in ihr eigenes Becherchen abzulegen. Nach einer Weile wühlt er genüsslich mit den Händen im Reis und fördert auch noch die letzten Fundstücke zu Tage.









Da Max' Geburtstag mitten in die Sommerferien fällt, beschliessen wir kurzerhand, ihn mit seiner alten Klasse vorzufeiern. Gemeinsam bereiten wir die Leckereien vor und verteilen sie zum Abschied an seine Klassenkamerädchen. Kein Fitzelchen bleibt übrig. Die Schokoflitzer und Fruchtspiesse werden ein voller Erfolg!







Mittwoch, 6. Juli 2016

Kindermund

Nach zwei warmen Tagen in Linz ziehen Wolken auf. Auf dem Bahnsteig ziehts ganz schön. Wir holen die Jacken hervor. Ich sage zu Max: "Das war eine gute Entscheidung, dass wir heute die langen Hosen angezogen haben." - Er: "DU hast das entschieden, nicht ich."

"Mama, wusstest du, dass Mazda das Dating besser macht?" 

Ich schaue aus dem Zugfenster und sinniere laut, ob wir wohl schon über die Schweizer Grenze gefahren sind. Max reckt sich hoch und schaut konzentriert hinaus. "Aber sicher. Das ist eindeutig Schweizer Gras."

Wir sprechen über Max' erste Gehversuche als Baby. Einmal mehr überrascht mich sein unglaubliches Gedächtnis, als er sich daran erinnert, dass seinerzeit Cedric seine ersten Schritte im Spielwagon zwischen Bern und Zürich unternahm. Ich lobe Max' für sein Erinnerungsvermögen. Der tippt sich an die Stirn und meint: "Weisst du, Mama. Hier oben hab ich ein Internet. Da ist alles gespeichert und abrufbar. Aber keine Spiele! Nur wichtige Sachen, die ich nicht vergessen darf."

Max' Entdeckung auf einem Bänkli im Zoo. "Schau mal, Mama, der ging bestimmt auch zur Froschbergschule!"



Dienstag, 5. Juli 2016

Prinz Max wird zum Fröschlein!

Max und ich nehmen den Morgenzug von Bern nach Linz, um letzte Vorkehrungen für eine gelungene Übersiedlung vor Ort zu treffen. Auf dem Programm stehen unter anderem die Wohnungsübernahme, zwei Schulbesuche (hier in Austria gilt freie Schulwahl) und die Anschaffung von Kühlschrank und Waschmaschine/Trockner. 

Peinlicher Moment am Kiosk vor Abfahrt (noch beim Aufschreiben zieht es mir die Eingeweide zusammen..). Ich komme ins Plaudern mit einem Herrn mit ausländischem Akzent, der mit mir in der Schlange steht und platze unbedarft heraus: "Sie klingen wie meine heutige Destination. Wir fahren nach Österreich." Er lächelt ein bisschen gequält, stellt sich als Bayer vor und meint grosszügig, dass ihm dies öfters passiere. Autsch!


Max hat sein neues Rollköfferchen dabei, im Rucksack verstecken sich neue Spielsachen und ein leckeres Picknick, um ein wenig Kurzweil in die achtstündige Fahrt zu bringen. Wie es so ist, vergeht kaum die erste Stunde, und alle Neuheiten sind gestestet und ausprobiert, jede Comicbuchseite mindestens zweimal angeschaut, und es dämmert meinem Sohn, worauf er sich da eingelassen hat. Innerlich zwinkere ich meinen Eltern zu, als ich gefragt werde, wie laaaange denn die Reise noch dauere, und wann wir denn eeeendlich da seien. Kreise, die sich schliessen. Auch witzig: Wie den Mitpassagieren die Augenbrauen hochgehen, wenn Max aufgeregt ruft: "Mama, ich hab eine Bombe. Und noch eine! Achtung, gleich geht sie hoch!" während er auf meinem Natel Candy Crush spielt. Ein Wunder, dass wir unterwegs nicht von der Bahnpolizei aufgegriffen werden.


09:34Uhr
09:38Uhr
09:55
10:02Uhr
Einmal recht freundlich für die Kamera! Ein Sechstel der Reise liegt hinter uns...
Familientraditionen werden gepflegt - samt Schummelversuchen.
Die Tiptoi-Bücher sind mein Ass im Ärmel, welche ich erst nach Salzburg hervorzaubere. Fast geschafft!
Eine Lokpanne noch diesseits der Grenze in Buchs geht glimpflich aus. Dennoch, die Verspätung zieht sich durch bis am Schluss.
Vor unserem Hotel, dem Marriot Courtyard: Diese Rosen waren beim letzten Besuch noch feste, kleine Knospen. Glück gehabt! Am nächsten Tag wütet der Gärtner und mäht alles ab. Keine einzige Rose überlebt den Kurzhaarschnitt.
Wir belohnen uns für die Strapazen der Reise. Im Hintergrund: Max' Geburtstagsgeschenkwünsche.
Gebannt schaut Max die Big Bang Theory, bald heisst es Licht aus!

Am nächsten Morgen erwartet uns eine grosse Überraschung vor dem Hotel. Das bestellte Taxi ist kein poppeliger Mercedes, sondern ein regelrechter Tesla! Max und Mama sind gleichermassen aus dem Häuschen. Die Fahrt auf den Froschberg ist viel zu schnell vorbei. Wir tauschen Nummern mit dem Fahrer, welcher uns auch in Zukunft Spezialpreise verspricht. Einmal mehr sind wir - dafür haben wir scheinbar ein Händchen - an einen Fahrer mit Schweizer Taxi-Erfahrung geraten. Sein Einsatzgebiet damals: Winterthur - Töss. Kampferprobt also. 



Die Froschberg-Schule. Ein Schulhaus, vier Klassen - überschaubar, geräumig und bunt! Den brummeligen Abwart werten wir als gutes Omen, schliesslich gehört sich das so. Die Frau Direktorin nimmt uns einen Stock höher umso herzlicher in Empfang und freut sich aufrichtig, Max kennenzulernen. Sie führt das Gespräch in erster Linie mit ihm, was Max etwas überfordert. Er ist schüchtern und mag noch gar nicht antworten. 




Frau Grünberger (wie passend für eine Frosch-Direktorin!) setzt ihn aber keineswegs unter Druck, sondern bietet ihm freundlich die Hand an. Sie will uns in die erste Klasse mitnehmen. Max fasst Vertrauen und ihre Hand, und ich folge den beiden den farbigen Schulgang herunter. Der Geruch von Schweissfinken, Kreide und Caprisonne ist beruhigend familiär. 

 
 

Frau Grünberger und die 1. Klass-Lehrerin Frau K. stellen Max als Schnupperkind vor. Offensichtlich sind alle auf den Besuch vorbereitet, Max wird sogleich ins Zimmer gezogen und darf mitmalen, rechnen und sogar Geburtstagsjause geniessen. Mama ist hingegen unerwünscht und kriegt eine Personal Tour von der Direktorin höchstpersönlich. Es ist deutlich spürbar, wie sehr ihr das Wohl der Kinder und der Lehrerschaft am Herzen liegt. Ebenso klar sind aber ihre Haltung und Werte, welche ein harmonisches Zusammenleben im Haus möglich machen. Nach einer Stunde (eine Klingel kennt man hier nicht, die Lehrerinnen kennen den Rhythmus ihrer Schüler am besten) möchte ich meinen Sohn wieder abholen. Der winkt aber nur von ganz weit und ist aus der Klasse nicht herauszulocken. Somit vertreibe ich mir eine weitere Stunde mit Fotografieren und Gesprächen mit Max' zukünftiger Lehrerin Frau P. Sie erklärt mir das Leitbild und die Abläufe an der Schule und bietet an, auch in den Ferien für Fragen für uns da zu sein. Ganz ungewohnt für uns: Die Kinder sprechen die Lehrkraft mit Frau Lehrerin oder Frau Direktorin, nie mit Namen an. Die lange Einkaufsliste für Max' Schulmaterial lässt einen wehmütigen Gedanken an unser eigenes Schulsystem aufkommen. Zwei A4-Seiten vollgeschrieben, vom Leimstift über den Zeichenblock bis zur Hunderterpackung Taschentücher, alles bitte anzuschaffen bis Mitte September.





Morgen werden wir uns noch die zweite Schule auf dem Froschberg ansehen. Aber für uns ist jetzt schon klar: Hier gefällts uns. Der einzige Nachteil an dieser Volksschule ist der deutlich längere Schulweg. Allerdings versichert man uns, dass Kinder aus allen Stadtteilen mit dem Bus hier hochfahren. Dann werden wir den Spaziergang durchs Quartier - notfalls mit Scooter - wohl ebenfalls schaffen.

....................................................................................................................................................................

Schlüsselübergabe in der Schweiz: Man trifft sich mit Vermieter und Verwaltung, geht ein seitenlanges Protokoll Punkt für Punkt durch, hält etwaige Mängel fest, bekommt vom Dampfabzug bis zur Toilettenspülung alles nochmal erklärt und erhält zum Schluss den Schlüssel zur neuen Wohnung nach vierfacher Unterschrift.

Schlüsselübergabe in Österreich: Hier bitte, Ihr Schlüssel.

Das Bubenzimmer - eine ehemalige Einzimmerwohnung mit separatem Bad, welches an die eigentliche Wohnung angebunden wurde.


Blick in die Küche. Links am Rand kommt der neue Kühlschrank hin. Ein Siemens Kombikühler (hurra, Glacé im Vorrat!), no frost, no less!


Blick aus der Küche Richtung Flur. Vor der Tür links abgebogen...


... ergibt sich der Blick ins Wohnzimmer samt kleiner Lotscha.


Schwenker im Wohnzimmer nach rechts


... und noch weiter nach rechts: Mamas künftiges Lesezimmer. Mein Traum, eine Bücherwand und Corbusierliege. Oder Poäng. Je nach Rest-Budget.


Die zukünftige Bibliothek - vermutlich eher das Esszimmer. Wir debattieren noch.


Unsere Loggia im vierten Stock. Meine Hoffnung, dass es Spinnen nicht hier hochschaffen, war unbegründet. Mistviecher.


Netter Park mit Spielplatz vor dem Haus.


Blick aus der Küche in Richtung Schlafzimmer/Büro. Rechts gehts den Flur runter zur Haustür und zur Kinderresidenz.


Elternschlafzimmer mit Einbauschrank. Ein ursprünglicher Raumteiler, der ...


... auf der anderen Seite ein Büro/Gästezimmer ermöglicht.


Flur Richtung Haustür. Rechter Hand: Ein Klo, dann ein Bad und schliesslich ganz unten die Ausfahrt zum Kinderzimmer.


Le petit ou-la-la...


... et la grande salle de bain.


... spannend: Wenn die Tür ins Schloss fällt, wird sie von aussen nur mit Schlüssel wieder geöffnet. I'm thinking ausziehbarer Schlüsselanhänger!


Am Nachmittag entspannen wir uns in einem der zahlreichen Stadtparks. Max turnt herum und schliesst bereits Kontakte (was mach ich mir eigentlich Sorgen? Der wird hier PRIMA zurecht kommen!) und ich beobachte all die kleinen Leos und Sofies und Annerls, welche ihren Eltern universell Freude bereiten, wenn sie anderen das Schauferl auf den Deckel hauen oder eine Faustvoll Sand in den Mund schieben, und fühle mich fast ein bisschen wie zu Hause.

....................................................................................................................................................................


Kein einziges Bild machen wir am nächsten Tag von der Volksschule 48. Das spricht Bände. 

Auch wenn die letzte Woche vor den Sommerferien alles andere als ein idealer Besuchsmoment ist, sind wir scheinbar vergessen gegangen. Wir werden ins Büro der Direktorin geführt, welche uns rasch und etwas abgehetzt Wissenswertes über ihr Haus erzählt. Schien sie noch per Mail sehr herzlich und redegewandt, erleben wir sie heute sehr nervös und unvorbereitet. Max zieht sich komplett ins Schneckenhaus zurück und holt seine Malsachen hervor. Er lässt sich zu keiner Antwort überreden und ignoriert uns völlig. Mein sonst so offener und kommunikativer Sohn zeigt mir überdeutlich, wie er sich fühlt. 

Papiere kann sie mir keine offerieren, die würden erst am Nachmittag zurecht gemacht. Rasch dürfen wir noch zwei Klassenzimmer von innen sehen, eingeladen werden wir in keines. 

Nach einer halben Stunde sind wir froh, die Schule verlassen zu können und spazieren nachdenklich zurück zur Bushaltestelle. 

Max und ich sehen uns an. "Froschbergschule?" - "Froschbergschule!"

Der anschliessende Anruf bei Frau Grünberger bestätigt unser Bauchgefühl. Wiederum möchte sie mit Max sprechen, also reiche ich den Hörer weiter. Sie lässt ihn wissen, wie sehr sie sich auf ihn freut und wünscht ihm aber erstmal einen wunderbaren Sommer. Die Formalitäten sind rasch erledigt. "Wissen Sie", sagt mir Frau Grünberger zum Schluss, "Sie passen zu unserer Schule. Das war mir vom ersten Händedruck an klar. Willkommen bei uns!"


Mit einem Zoobesuch und anschliessenem Hamburgeressen im örtlichen MacDonalds klingt der Tag schliesslich aus. Max ist sichtbar gelöst. Beim Stadtbummel schleicht sich seine Hand in meine. "Mama?" fragt er. "Kann ich morgen nochmal zur Schule gehen?"