Freitag, 11. April 2014

Von J bis C

Irgendwann in den Neunzigern:
"Du hast all deine herausragenden Merkmale von deiner Grossmutter väterlicherseits geerbt." Mein Vater meint damit - so genau lässt sich das nicht mehr rekonstruieren - vermutlich Brust und Nase. Ob Fluch oder Segen lässt sich da noch nicht abschätzen. Belegt ist jedoch: Aufnahmen im Profil gibt es ab da kaum mehr von mir. 

Sommer 2000:
Dr. med. H.B. Gynäkologe am Regionalspital Thun versichert mir, dass die soeben verschriebene Pille "keinenfalls und absolut sicher nicht"  Einfluss auf meine Körbchengrösse haben werde, noch würde ich davon zunehmen. 

Winter 2000:
Gewichtszunahme innerhalb der letzten sechs Monate: 8kg. Körbchengrösse C weicht E, farbige Unterwäsche macht Platz für wahlweise schwarze oder weisse BHs. Für mehr Halt trage ich auch schon mal zwei davon übereinander. Sport macht ab da erst recht keinen Spass mehr, Einkauf von Lingerie wird zu einer Mission Impossible.

Frühling 2003:
Die Google-Suchmaschine spuckt auf Anfrage unter anderem eine englische Ladenkette als Anbieter von Unterwäsche für üppigere Damen aus. Bravissimo entpuppt sich als meine Rettung. Endlich schliessen sich Grösse und schöne Wäsche nicht mehr aus! Über tausend Franken sind es bestimmt, welche die Briten in den nächsten zehn Jahren an mir verdienen. Die Post sahnt davon einen nicht unerheblichen Anteil als Zollgebühren ein. 56.- pro Paket sind keine Seltenheit, und anprobieren muss man die Sachen ja - ein Ausflug nach London liegt nur alle zwei Jahre drin. 


Juli 2010: 
Söhnchen Max kommt zur Welt. Mit dem Milcheinschuss platze ich buchstäblich aus allen Nähten. War es bisher schwierig, gut sitzende BHs zu finden, wird das für Still-BHs nun unmöglich. Mit zusammengebissenen Zähnen bestelle ich ein hässliches Modell aus den USA, welches mit einer Grösse von 32K mindestens Volumen verspricht. Damit sind die Zwillinge erstmal gebändigt. Halt und Bequemlichkeit sind Luxus geworden, wohlfühlen werd ich mich erst wieder nach dem Abstillen ein halbes Jahr später. 


Februar 2011:
Die Schwerkraft fordert ihren Tribut. Mein Körper wird zunehmend zum Feindbild. 


Winter 2012/13: 
Bereits während der zweiten Schwangerschaft graut mir vor der kommenden Stillzeit. Neidvoll sehen ich zu, wie flachbrüstige Freundinnen müheslos ihre Babies mit der einen Hand andocken und mit der anderen Gipfeli und Latte Macchiatto balancieren. Bei Sätzen wie "Ich weiss gar nicht wohin mit all meiner Milch!", "Diese Innigkeit... Manchmal muss ich vor lauter Glück heulen beim Stillen!" oder "Meiner verschluckt sich immer, so stark fliesst es bei mir." werde ich aggressiv. 

Juni 2013:
Cedric wird geboren. Wie erwartet bleiben mir nur die Milchpumpe und Akkord-Ansetzen. Aber selbst damit wird mein Würmchen nicht satt. Vom ersten Tag an füttern wir Schoppenmilch zu. "Du stillst sicher?" fragen mich Mitmamis. Ihre Blicke wandern unweigerlich auf meinen übergrossen Busen, wenn ich verneine und erkläre, ich hätte kaum Milch. Ich kann die Situation nur schlecht annehmen und fühle mich als Versagerin.
 
Sechs Wochen später: 
Ein aktiver Dreijähriger neben dem Neugeborenen lässt stundenlanges Sitzen auf dem Sofa und Experimentieren mit Stillmanövern nicht zu. Ich gebe (und atme) auf. 


August 2013: 
Sonntagnachmittag bei meinen Eltern. Ich bin sprachlos. Soeben eröffnet mir mein Vater, dass er mir eine Brustverkleinerung ermöglichen werde. Finanziell, natürlich. Auch wenn an ihm ein Mediziner verloren gegangen ist - den Eingriff überlassen wir dem Profi. Freude und Erleichterung sind riesig! Bereits im September findet das erste Vorgespäch beim Chirurgen statt. Am liebsten würde ich mich sofort unters Messer begeben. Mein Umfeld und der Fachmann raten aber zu etwas Geduld und Gelassenheit. Die Hormone müssen erst wieder auf "nicht schwanger" umstellen, mein Gewicht muss runter und ein idealer Zeitpunkt für die Operation will mit Bedacht gewählt sein. Wir einigen uns auf Ende März 2014.

31. März 2014
Mit mulmigem Gefühl und gepacktem Rollköfferchen rücke ich am Montagmorgen nüchtern in die Klinik ein. In einer Garderobe verstaue ich meine Kleider und tausche sie gegen Krankenhauskittel und Stützstrümpfe. Mir wird die Endgültigkeit bewusst: Den BH werde ich zum letzten Mal ausgezogen haben. Die Wehmut währt dank einem Blick in den übergrossen Spiegel nur kurz. Weiter! 

Dr. T. erscheint mit Assistent und Filzstift. In den nächsten zehn Minuten verwandelt sich meine Brust in ein vergängliches Kunstwerk: Hier eine ausgezogene Linie in violett, da eine gepunktete in grün... Wenn ich mir den Assistenten hinter meinem Chirurgen ansehe, dünkt mich fast, dieser wirkt genau so ratlos wie ich. Der Arzt wechselt fliessend zwischen gemurmelten englischen und deutschen Fachbegriffen. Wir nicken beide bestätigend. Was bleibt uns auch anderes übrig. Mein Herzklopfen und meine Emotionen stehen in krassem Gegensatz zur Ruhe und vollkommenen Konzentration vom Operateur. Er sieht bereits das Resultat und hat mir damit etwas Entscheidendes voraus.

Das OP-Team nimmt mir mit Humor und Herzlichkeit die Angst. Mir wird in der Maske erst Sauerstoff, dann ein Narkosemittel verabreicht. Ob es hier auf dem Tisch schon jemand bis zehn geschafft hat? Meine letzten Gedanken: Der Vorhang ist nicht zugezogen, ich seh von hier aus den Parkplatz. Wer jetzt anfährt, kriegt eine Show geboten! Eins, zwei... 

Von weit her ein Ruf. Instistierend. Mein Name. Ich steh im Einkaufszentrum und will mich nicht ablenken lassen. Was benötige ich noch?... Ein Klaps auf die Wange, gleissendes Licht, unendlich schwere Augenlider... Ich komme noch im Operationssaal zu mir, ein Gefühl von Schwere auf der Brust. So tief hab ich seit Jahren nicht geschlafen. Das Wichtigste kriege ich mit: Alles gut gelaufen. Die nächsten zwei, drei Stunden bilden Lücken in meiner Erinnerung. Einzig: keine Schmerzen. Meine grösste Angst, nun Erleichterung. 

Die Walliser Pflegefachfrau kneift mich freundlich in die Wange. "Na, Sie haben ja schon wieder etwas Farbe im Gesicht. Und? Haben Sies schon gesehen?" Sie zieht für mich die Bettdecke ein wenig runter. Zum ersten Mal sehe ich meine neue Form. Obwohl noch straff eingepflastert, könnte der Unterschied kaum grösser sein. Symmetrisch. Kompakt. Aufrecht. Und noch etwas fremd. Zweifellos werden wir uns bald miteinander anfreunden. Ich bin überglücklich und dämmere wieder ein. 

Im Laufe des Nachmittags schaffe ich ein halbes Joghurt und ein Dritteli einer Zwiebackscheibe. Mir ist übel. Die Nachwirkungen der Narkose, der Geruch nach Braunol, der Anblick der Drainage-Schläuche, welche zu jeder Seite in ein kleines mit einer ekelerregenden Flüssigkeit gefüllten Fläschchen münden... Mit Hilfe der Schwester unternehme ich einen ersten Spaziergang zur Toilette. Ein schwerwiegender Fehler, wie sich wenig später herausstellt. Innerhalb weniger Minuten füllt sich die rechte Flasche mit Blut. Der Chirurg wird gerufen. Er entdeckt das Blutkissen unter der Haut sofort. Das gesamte OP-Team wird aus dem Feierabend mobilisiert, und schon eine Stunde später liege ich wieder auf dem Tisch. Im Gegensatz zum Vormittag allerdings, gelte ich - laut Anästhesistin - als nicht nüchtern. Nach dem zweiten Aufwachen entfernt man mir daher als erstes einen vorsorglich gelegten Tubus. Eine Erfahrung, die ich gut und gerne missen möchte. 

Lag nach der ersten Aufwachzeit am Morgen schon ein wenig kreuzworträtseln drin, fühle ich mich jetzt nur noch erschlagen. Ich ergebe mich der Müdigkeit, werde aber in der Nacht alle zwei Stunden geweckt. Blutdruck und Sauerstoff werden gemessen, die Fläschchen kontrolliert - alles in Ordnung. 

Dienstag kommt und geht. 

Was am Vortag noch undenkbar schien: Heute ist bereits Austritt. Noch ein wenig käsig und wackelig auf den Beinen werde ich von meinem Mann abgeholt. Die nächsten Tage muss ich ruhen, die nächsten Wochen mich schonen. Das Wäsche aufhängen und Geschirrtrockner ausräumen überlasse ich dabei gerne anderen. 

Zuhause angekommen, schlüpfe ich als erstes in meinen roten Lieblingsmantel. Den hatte ich diesen Winter erstanden, ohne auch nur einen Knopf schliessen zu können. Bisher trug ich ihn einfach an milden Tagen. Und jetzt? Er passt wie angegossen, ich strahle!

Und für alle Tapferen, die bisher durchgehalten und mitgelesen haben nun die Vorher/Nachher-Bilder:


Vorher:



(Bild: 9gag)

Nachher: 
(Bild: www.neon.de)

Donnerstag, 13. März 2014

Wildes Update


Zeit für Frühlingsputz, liebe treue Leserinnen und Leser! Hier hängen ja schon dicke Spinnweben! Es ist eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal gepostet habe. Ich bin mir bewusst, dass die meisten, die diesen Blog mitverfolgen, fingernägelkauend und wie auf Nadeln warten, um alle paar Wochen mit einer tiefgreifenden, lebensverändernde Nachricht belohnt zu werden. Also, ich entschuldige mich für die lange Durststrecke.

Aufatmen. Tief durchatmen. Und für einmal nicht gleich eine Hustenattacke erleiden... Herrlich! Die vergangenen sonnigen, warmen und frühlingsverheissenden Tage waren im wilden Haushalt mehr als willkommen. Selten habe ich mich derart nach einem Temperatur- und damit Tonartwechsel gesehnt! Die letzten zwei Monate waren geprägt von Kleenex-Hamsterkäufen, Hausarztbesuche im Abonnement, Notfall-Babysitter-Einsätze, Pingpong-Infektionen (der nächste, der bei uns mit einer unauskurierten Magendarmgrippe über die Schwelle tritt, kann sein Testament machen!) und - zweifellos auf Platz Eins aller Beschwerden: Schlafmangel. 

Aber alles der Reihe nach...

Angefangen hat alles damit:

  Im Anschluss an eine Yoga-Probestunde schmerzt der rechte Arm ein wenig. Eine Tatsache, der ich keine grosse Bedeutung zumesse. Schliesslich sind Schmerzen nach dem Sport für mich Gewohnheitssache. Mag sein, dass eine regelmässigere Tätigkeit dem vorbeugen würde. Wir wollen nicht grübeln. Als es aber zwei Wochen später zunehmend mühsam wird, Teller aus dem Geschirrspüler zu räumen, jemandem ein Glas zu reichen oder sogar den BH zu schliessen, werde ich bei meinem Hausarzt vorstellig. Nach kurzer Untersuchung ist für ihn klar: Ich leide an einem Tennisarm. Weniger klar ist die passende Behandlung, denn dagegen gibt es nicht wirklich eine erfolgreiche Therapie. Sein gutgemeinter Ratschlag lautet: "Schonen (rechter Arm mit Kleinkind - ne, ist klar), salben und Physio." 

Das Google Fotoprogramm dokumentiert humorvoll den schleichenden Zerfall: Es beginnt harmlos mit geringen Schluckbeschwerden, welche sich aber sehr rasch massiv verschlimmern. Rasierklingen im Hals, Schnupfen... Danach rutscht der Käfer eine Etage tiefer und entwickelt sich zu einer üblen Bronchitis. Keuchend schleppe ich mich nachts um halb zwölf in den Inselnotfall, wo man mittels Röntgen eine Embolie oder Lungenentzündung ausschliesst. Mittlerweile bin ich mit wenig zufrieden und akzeptiere sogar breitwillig den Inhalator, gegen den ich mich sonst bis zuletzt wehre.

Der absolute Tiefpunkt folgt am ersten März. Mein Mann fährt alleine an eine Hochzeit von Freunden, auf die ich mich seit Monaten gefreut hatte. Das Kleid hängt so schlapp am Schrank wie ich auf dem Sofa, die Übernachtung im Fünfsternhotel verpasse ich, ebenso wie eine der raren Gelegenheiten mit meinem Mann zu tanzen. Ich ertränke meinen Kummer in Bronchialtee und bestelle schmollend den Sushikurier.

Währenddessen werden meine Kleinen gross und grösser. Cedi trägt mittlerweile Grösse 80. Das wars dann aber auch mit dem Auftragen von Max' Klamotten. Dieser war damals im Juli kurzärmelig und schon auf eigenen Füssen unterwegs, während Cedi täglich seine Liegestützen stemmt und nur noch einen Katzenbuckel weg ist vom Krabbeln.
 
 


Aktuelle Lieblingszitate:
"Gell Mami, jetzt bist du grad gefahren wie ein Idiot!" (Zu meiner Ehrrettung: Ich war lediglich falsch abgebogen.)

Max steht beim Abendessen wortlos auf und geht in die Küche. Mit dem Salzstreuer in der Hand setzt er sich wieder und würzt nach: "Da ist ja Ü-BER-HAUPT kein Salz dran!" (Jaa, es war ein bitzeli fad. Ist aber gesünder so. Na und?)

Max übernachtet beim Grosi. Das eingelassene Bad vor dem Einschlafen lehnt er dankend ab und kommentiert: "Dafür bin ich schon zu müde. Du kannst es ja als Dekoration stehen lassen..."

 Mittwoch ist Güggelitag! 

Wer mich kennt, weiss:  Mit Nadel und Faden stehe ich seit Jahr und Tag auf Kriegsfuss. Ein Blick auf unsere aktuellen Finanzen rät aber von einem H&M-Besuch ab, daher wird gebastelt. Der Leim vom Hosenblätz will aber trotz sorgfältigem Aufbügeln nicht halten. Also holt Mutter mit einem Seufzen Grosis altes Nähkästchen hervor. Anderthalb Stunden (!) später hält der Flicken endlich, die Hose ist wieder einsatzbereit. Kann ja keiner wissen, dass der Stoff nach dem nächsten Spielgruppenbesuch genau unterhalb (!) der Naht bricht (!) und somit die ganze Arbeit für die Katz war.


Wir sind immer noch überglücklich in unserer neuen Wohnung. Zimmer für Zimmer ist nun eingerichtet. Schön wär noch, wenn wir unser Büro in den Griff kriegen würden. Dann könnten wir unser viereinhalbtes Zimmer auch nutzen, statt immer nur die Tür diskret zu schliessen, damit man das Chaos drin nicht sieht.    
 







Abendritual: Einweichen, bevor es gegen halb neun endlich ruhig wird im wilden Haushalt. Cedi hat glücklicherweise den Rank wieder gefunden und schläft länger und tiefer als auch schon. Immer noch meldet er sich zwischen eins und drei für ein Frühfrühstück. Aber je mehr wir uns dagegen wehren, umso nachdrücklicher (und häufiger) meldet der Kleine sein Bedürfnis. De haut! Bis zur RS werden wir auch das in den Griff kriegen...




Und ansonsten: 


Sonntag, 26. Januar 2014

Januarloch

Seit einer Erkältungswelle über Weihnachten und Neujahr ist unser liebgewonnener Schlafrhythmus futsch. Der Kurze scheint komplett durcheinander, hangelt sich nachts ebenso verzweifelt von Schoppen zu Schoppen wie wir, und wenn einer von uns anderthalb Stunden am Stück Schlaf kriegt, ist das viel. Erst in den vergangenen Tagen pendelt sich ganz langsam wieder die Mitternachtsmahlzeit ein, welche garantiert, dass Mama und Papa bis sieben Uhr durchschlafen können. Erstaunlich am Ganzen: Max, welcher sich mit Cedi ein Zimmer teilt, bekommt von all dem nichts mit und schlüpft gegen acht munter und erholt unter unsere Bettdecke.

Der ungewollte Schlafentzug hat mitunter unlustige Konsequenzen: Randsteine scheinen ungewohnt hoch, Türrahmen schmaler als sonst, der ohnehin nicht grosszügig bemessene Parkplatz toleriert nicht die kleinste Unachtsamkeit (Zollwert: ein Aussenspiegel. Das macht auch bei einer aktiven Automarke keinen Spass. Wer Saab fährt, braucht aber wahrlich Humor, was auch der lokale Garagist bestätigt. Sein Lösungsvorschlag, da ein Ersatzspiegel sich europaweit nirgends mehr auftreiben lässt: Einen Toyota kaufen.)

In der Hektik zwischen dampfenden Töpfen und heulenden Kindern schneide ich mir grauenhaft mit der Küchenschere in die Hand. Die mobilisierte Nachbarin übernimmt die Erstversorgung und offeriert dazu grosszügig Schokolade. Für den Blutdruck, versteht sich.

Organisation, Merkfähigkeit, Konzentration, Fokus und Zielstrebigkeit... Alles Fremdwörter, da ich mangels Schlaf nur noch auf einen Bruchteil meiner Hirnleistung Zugriff habe. Die interessanten Bereiche scheinen alle passwortgeschützt und nicht abrufbar. Internal Error, 404 page not found, 503 service unavailable, bitte rufen Sie später an. Das weckt liebevolle Erinnerungen an einen vergangenen Vorgesetzten, welcher die Schwangerschaftsmitteilung quittierte mit: "Und bist du erstmal Mutter geworden, wirst du völlig verblöden." Im Gegensatz zu ihm, versteh ich nun auch weshalb.

WENN die kleinen Scheisserchen aber einmal schlafen, dann wird höchstens mal ein wenig uuliidig gezuckt, sobald die Kamera aufblitzt. Sind sie nicht allerliebst, unsere Engelchen?






Fajita-Night!


Einmal vier-, einmal fünfunddreissig... Die Wintergeburtstage von Papa und Mama sind vorbei. Das Geschenk für meinen Mann: Einen Saucen-Kochkurs in der Kochschule "La Cuisine" in Zürich! Meine Eltern hüten für eine Nacht die Kinder, und wir montieren erst die Kochschürze und dann Rotweinsaucen.






Fazite des Abends:
  • Willst du eine gute Sauce kochen, kommst du um einen Fond nicht rum.
  • Fleisch lässt sich wunderbar vorbereiten: Anbraten, auf Gitter auskühlen lassen, vor dem Anrichten in die heisse Sauce geben... Himmlisch zart! 
  • Mit Butter wird alles besser. 
Spannend auch die Teilnehmer und die in jeder grösseren Gruppe zu findenden Charaktere. Da gibt es den Überkommunikativen ("Dem Dialekt nach nicht aus der Gegend, he?" gefolgt von jovalem Schulterklopfer und bellendem Lachen.), den Streber ("Wie schreibt man 'sautieren'?), den Besserwisser ("Ich dachte immer 'weisse Sauce zu weissem Fleisch?'", die Divorcée ("Sind alle Rezepte für vier Personen berechnet?"), das Pärchen ("Wir müssen unbedingt den letzten Zug erwischen. Wegen den Kindern...") the socially awkward ("...") , den Sohn (Lacoste-Shirt mit aufgestelltem Kragen, Seitenscheitel und Rolex: "Wo kann ich hier eine rauchen?"), die Ökotante ("Ist das Biofleisch?"), und natürlich den gutgelaunten Pensionär ("Wissen Sie, meine Frau hat mich ja hier angemeldet. Damit sie mal ihre Ruhe hat, wahrscheinlich!")...

Auf den letzten Zug hats gereicht, die Galle hat sich erholt und die Rezepte sind eingeordnet. Nun fehlen nur noch die Testesser!

Mittwoch, 1. Januar 2014

Happy New Year und einige Vorsätze

Irgend einen Haken musste die neue Wohnlage ja haben...

Offenbar hat man hier in L. bei B. viel mehr Kohle übrig, um das neue Jahr mit Böller und Feuerwerk zu begrüssen. Den Bohémiens in der Länggasse sass da der Stutz nicht ganz so locker. Spätestens viertelnachmitternacht war Schluss mit Bums. Nicht so hier. Eine kurze Verschnaufpause um viertelvor eins trügt und führt zu verfrühter Entspanntheit. Punkt eins knallt es weiter, bis um kurz vor zwei auch dem letzten Pyromanen der Stoff ausgeht. Während Cedeler höchstens etwas unruhig nödderet, wacht der Grosse auf und kuschelt sich zwischen die elterlichen Bettdecken. Die steigenden Temperaturen im Schlafzimmer führen schliesslich unweigerlich zu einer Zwangsausweisung, welche widerstandslos akzeptiert wird. Ein Fenster muss auf. Der beste Ehemann von allen protestiert zwar lautstark, da sofort penetranter Rauchgeruch hereinströmt. Aber Mutter setzt sich durch. Es wird kühler. Und ruhiger, was nach drei Babykoliknächten auch dringend Not tut.
Zeit, vorwärts zu schauen. Altlasten verziehen sich mit dem Qualm und Rauch. Die Chlöpferei verebbt, die kleinkindliche Verdauung funktioniert wieder. Im wilden Haushalt ist man bereit für 2014!

Meine guten Vorsätze:
  1. Nach dem Aufstehen die Betten machen. Und nicht erst, wenn wir schlafen gehen.
  2. Socken wandern nach dem Ausziehen direkt in den Wäschekorb.
  3. Täglich sechs grosse Gläser Wasser trinken. 
  4. An Geburtstage denken bevor mich Facebook darauf aufmerksam macht, und es zu spät ist, ein Geschenk zu organisieren.
  5. Rechnungen sind spätestens bis zum fünften des Monats einzuordnen. 
  6. Mehr Fotos (vorallem von unserem Jüngsten!) machen. 
  7. Mehr Bücher lesen. Wiedermal ein Buch lesen.
  8. Häufiger meinen Mann küssen.
  9. Mir endlich eine eigene Meinung zur Masseneinwanderung, der Berner Reitschule und zu Miley Cyrus bilden.
  10. Auch alleine so zu essen, als sässe jemand dabei.
  11. Täglich eine Strecke zu Fuss gehen. Oder es wenigstens in Erwägung ziehen.
  12. Sämtliche PaS5Wo3rTeR-298 erneuern.

Dienstag, 31. Dezember 2013

Facebook Status Highlights 2013

Januar

Der Moment an der Migroskasse, wenn sich Sohnemanns Spielzeug-Bohrmaschine im Rucksack verselbständigt und die Gespräche rundherum verstummen.... Bzzzz!

Ja, hallo - wer bist du denn?

Wenn das einzige Kleidungsstück, das noch passt, der Duvetanzug ist...

Februar

...lässt sich doch nicht für 2500.- zwischen Güterbahn- und Entsorgungshof einquartieren. Geits no? Die spinnen, die Berner Wohnungsmakler...

Halbzeit!

...beginnt eine neue Ära: Max in der Spielgruppe, Mama im Café. Heaven!

März

Gerade zurück vom ersten Elternabend und stolz wie Bolle!

Time travel movie --> headache

Liebe/r Malboro-Raucher/in im Haus
Vielen Dank für die Abwechslung!
Zigarettenstummel im Garten aufzusammeln (es waren an die vierzig, falls es dich interessiert) macht viel mehr Spass als Baggerfahren und Schneeglöggli bewundern. Und die zerschlagene Bierflasche bietet mindestens ebenso viel Unterhaltung. Du hättest mal sehen sollen, wie schnell Mama rennen kann...
Liebe Grüsse
Max
Ps. Was ist ein Söiniggel?


Der Moment im Spiel, wenn dich ein Schüler tadelnd anblickt und mahnt: "Frou W., s'isch nur es Spiiieli..."

April

lernresistent und merkbefreit

Mann, Mann, Mann... Die Sommer werden aber auch immer kürzer! 

Mai

Tall Caramel Macchiato Decaf & the new Dan Brown... What else?

Letzer WK - und das Militär sorgt dafür, dass wir diesen Verein WIRKLICH nicht vermissen werden... Grrr!

...hofft, dass der Sommer heuer auf einen Sonntag fällt...

Hoffentlich habt ihr euch schön frei getanzt, ihr Armleuchter. Sechs Stunden (!) nächtlicher Helikopterflug und eine verwüstete Innenstadt... Hauptsache, ihr habt eure Botschaft vertreten - Bravo!

Juni

Unser Sonntagskind ist da! Wir freuen uns über die Geburt von Cedric Alexander, der gestern um 14:37 unsere Familie komplett gemacht hat. Wir sind alle wohlauf und geniessen die ersten Stunden zu viert!

Erster gemeinsamer Mittagsschlaf im Bubenzimmer - jöh!

Deprimierend: Wenn die Stube selbst dem solarbetriebenen Taschenrechner zu dunkel ist , so dass er den Dienst verweigert...

Juli

Note to self: Never ask a guy for directions. You will miss your bus and there won't be another for half an hour. Grrr!

Mietvertrag und Rimuss!

Well done, Kate! Boys rock! 

Der Moment, wenn du feststellst, dass das Maschängtrügg vor dir auf Heizen statt Ventilation eingestellt ist. The Importance of a millimetre...

August

Lobet und preiset den Erfinder des Dampfabzuges! So schnell ist Cedi noch nie weggeratzt...

21 Uhr, beide Jungs schlafen und alles was läuft ist "Bernd, das Brot".

September

Der dritte Kaffee müsste doch langsam mal...
Morning bagel, child- and carefree! — at Adriano's Bar & Café

Oktober

What an awful day, and how nice that it's over and done with... Next!

Wenn der Mäx Mutters Parfümmüschterli entdeckt, weht plötzlich ein ganz neues Lüftchen durch die Stube...

Boxing Day!

Drin!

November

Ich will nicht schlafen! Ich bin nicht müde! Ich will keine Mittagspause machchchrrrschnarch....

Yoga-tsno?

Dezember

✰✰✰ Apfänt, Apfänt, es Liechtli brönnt! ✰✰✰

Happy half-birthday, Cedi!
 
Max neustes Lieblingsmärchen: "Mordkäppchen" 

My husband's choice of movie for Christmas: Cowboys & Aliens. Meh.
   

Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten!

Als die eine oder andere personalisierte Weihnachtskarte mit Hund und Kind einzutrudeln beginnt, steht der gute Vorsatz noch: Heuer verschicken wir auch den in Mode gekommene Weihnachtsgruss!
Die Überzeugung hält an, bis es selbst für den Expressversand nicht mehr reicht... Wo ist die Zeit hin?
Daher elektronisch aber nicht minder herzlich: Die besten Wünsche zum Fest!


Gibt es einen Weihnachtsmann?
R. R. B. New York

Die achtjährige Virginia O´Hanlon aus New York wollte es ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Tageszeitung „Sun“ einen Brief: „Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der „Sun“ steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann ?“ Virginia O´Hanlon.
Die Sache war dem Chefredakteur so wichtig, daß er seinen erfahrensten Kolumnisten, Francis P. Church, beauftragte, eine Antwort zu entwerfen – für die Titelseite der „Sun“.

„Virginia,

Deine kleinen Freunde haben nicht recht. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Grossherzigkeit und Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht - was würde das beweisen?
Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie.

All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen - das vermag nicht der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreissen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. Ist das denn auch wahr? Kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia.“

Dein Francis Church.

P.S.: Der Briefwechsel zwischen Virginia O´Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er wurde über ein halbes Jahrhundert – bis zur Einstellung der „Sun“ 1950 – alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit - auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt.


Dienstag, 10. Dezember 2013

Sternstündchen

Max liegt im Bett, einen Nuggi in jeder Hand, der dritte steckt im Mund. Ich fülle seine Nachtflasche mit frischem Wasser und setz mich anschliessend für ein Guetnachtliedli auf die Bettkante. Ich streiche ihm liebevoll über den Kopf. Hinter dem Nuckel nuschelt es hervor: "Wow, Mama. Bist du aber lnschblsch." Ich strahle, richte mich etwas gerader auf und korrigiere: "Ich versteh dich so schlecht, nimm den Nuggi zum Sprechen bitte raus." Max gehorcht prompt und wiederholt: "Wow, Mama. Bist du aber gross!" ... Ach so. Joah.
*
Wenn Max seine Sätze beginnt mit: "Weisch no?" oder "Als ich noch ein Kind war..." Jöh!
*
Die Bilder kommen endlich an die Wand. Max hält Cedric empört die Ohren zu, weil dieser wegen Papas Bohrerei weint. "Hör auf, Papi! Du machst ihm doch Angst!"
*
Ich puste Cedi rabenmütterlich ins Gesicht, weil er dann so zuckersüss mit den Wimpern klimpert und vergnügt gluckst. Max protestiert: "Aber Mami, der ist doch nicht heiss!" 
*
Auf der Küchenablage liegen zwei Schwingbesen, Max wundert sich. Einer war für die Suppe, mit einem zweiten habe ich multitaskmässig Cedis Griessbrei angerührt. Der kleine Klugscheisser konstatiert meine Erklärung mit hochgezogener Augenbraue: "Ah, clever!"
*
Tatzeit: Abendessen. Tatort: Esstisch. Tatwaffe: Gemüsebrei. Es landen unglaubliche Mengen an orangfarbener Pampe auf Latz, Tisch, Mama... nur nicht im Magen. Gäbs Apfelmus, sähe die Sache wahrscheinlich anders aus. Als Cedi auch noch anfängt, mit Wonne zu blubbern, und mir den Rüeblikartoffelmix ins Gesicht zu spucken, reisst mir der Geduldsfaden. Ich schimpfe in ernstem Ton - aber durchaus altersgerecht - mit meinem Jüngsten, worauf Max ihn ritterlich in Schutz nimmt: "Aber Mami, das ist doch ein Bébé!"